Metzgerei Dotzel oder: so vertreibt man seine Kunden

So  vertreibt man seine Kunden

Wie jeder  weiß,  der mich kennt,  bin ich ein glühender  Verehrer  des  Metzgerhandwerks und  versuche  wann und  wo  immer  zu  empfehlen  daß man  sein Fleisch , seine Wurst wieder  nach  guter alter  Sitte  in der  Metzgerei,   beim Fleischer,  oder  wie  die die Österreicher  sagen ,  beim Fleischhauer   kaufen  soll.

Das  ist meine  Maxime.

Doch  heute  bin ich  sehr  verärgert.  Nein, mehr als  verärgert.

Was  ist  passiert  ?   Ich bin  ein leidenschaftlicher  Blutwürstchen und  Leberwürstchen-esser
Gerne  hole  ich  diese  auch in  der  renomierten Metzgerei   Dotzel  in  Würzburg.
Seit  Monaten nun  erlebe  ich,  wie  man Kunden  vergrault. Denn ich  komme als Kunde   einfach nicht  Dotzels frische  Blutwürstchen.

Und  Metzger Dotzel ist  nicht  irgendwer. Mit  Anton Dotzel ,  dem Toni   habe  ich zusammen  das  Metzgerhandwerk  gelernt,  die  Berufsschulbank   gedrückt  und Fussball  haben wir  auch zusammen gespielt.  Ich habe miterlebt,  als  Antons  Vater tödlich  verunglückte  und  der  junge  Anton  eiligst  die Meisterprüfung machen mußte  und  statt einer  schönen  Jugend die  elterliche  Metzgerei   am  Hals  hatte.  Habe miterlebt  wie sich  der  Kaufhof  für das Dotzelsche  Metzgereianwesen zwecks  Vergrößerung interessierte und  Anton  durch  geschicktes (pokern) verhandeln  sehr gut  gestellt  war . Und  sich  damit ein Filetstück, die renomierteste,   die  bestgehenste und   in  allerbester Lauflage  liegende Metzgerei  der Stadt kaufen konnte.   So  hatte  Anton die  kleine  etwas  versteckt in Gassen liegende  elterliche Metzgerei  gegen  ein  Juwel  getauscht. Denn dumm war  der Anton nicht.

Der  Reihe  nach:
Also Blutwürstchen werden hier in Franken in der  Regel  am Montag oder  Dienstag  gemacht , da ist  Kochwursttag,  seit  eh und  jeh.  Wenn ich als Kunde  also  kesselfrische  Knäudeli  möchte,  sollte  ich diesen  Tag  nicht verpassen.
Bei  Dotzel  wie ich lange  schon  weiß,  ist  das  der Montag morgen.
Hier nun  kurz meine  Odysse  , die letzten  3, 4 Monate
1.  Egal  wann ich montags  komme und kesselfrische   Knäudeli möchte :
hieß  es  : tut mir  leid  der  Herr,  die  sind  schon im Rauch
Aber :  eigentlich  will ich sie frisch  und  nicht zur  Haltbarmachung  angeräuchert
2.  Gut,  geben  sie mir  4   Knäudeli !   Was  macht  die  Verkäuferin,  holt  nicht  die
frischen aus dem Rauch,   sondern   welche  von  der  Woche zuvor  aus der  Auslage
Ich  :  die will ich nicht ,  ich bin doch  extra  wegen  frischen Knäudeli   hier in die  Stadt
gefahren.   Bittschön  holens  mir  halt  frische  aus  dem Rauch.
3.  Irgend wann  sagte man mir :  ich möge  halt anrufen vorher.  Aber  Anruferei
funktionierte  auch nie… aus  verschiedensten Gründen.
4.   Dann  wieder   bekam ich mehrfach Montags  gesagt , diese  Woche  wurden keine
keine gemacht.
5.   Dann  wieder, es  ist  Feiertag  da  gibts  leider keine.
6.   Einmal  hatte ich  dann  Glück  es  wurden  frische  gemacht,  es  waren  welche da
Also  bat ich  die  1.Verkäuferin  mir  welche  aus  dem Rauch  zu holen. Sie kommt
mit  6 Knäudeli. Mich trifft  der  Schlag  : alle  abgschnitten  wo  sie  gebunden waren
Die  will ich nicht  :  wenn ich  die im Wasser  wärme läuft der  gute  Saft   aus und
sie  verlieren enorm  an Geschmack  (  daß man  sie  da  nie abschneidet, lernt eine
Fachverkäuferin  in  den  ersten Lehrwoche ).

Und  man stelle  sich  vor: die Verkäuferin  schaut mich  wortlos  mit  einem  verächt-
lichen Blick, hochgezogenen  Augenbrauen und  verkniffenen  Blick  an  und holt dann
beleidigt   andere. .
7.   Zwei  drei   Wochen  später  treffe  ich  die Jungchefin  und erzähle ihr meine
BlutwurstErlebnisse  im Hause  Dotzel  und was  es  für  eine  Rally es sei,  dort
Knäudeli zu bekommen.

Dankbar  und  interessiert  hört  diese  sich  das  an und  bedauert das. Anton lebt nicht mehr ,  das  Geschäft  wir  nun von der  nächsten  Generation  geführt und  so  ist  die Junge  Chefin erstaunt  wie  gut ich mich  auskenne,  bis  auch ich mich zu erkennen gebe,  wer  ich bin und wo ich  herkomme.

Denn ich komme  aus  einem richtigen Metzgerclan.  Meine Eltern hatten auch  eine Metzgerei,  was  auch  der  Grund  ist  daß  ich das  mal  lernen mußte (  ja  das  gabs  früher,  daß  man mußte !)  2  Onkels Metzgermeister,  1  Schwager  Metzgermeister  und Obermeister der Metzgerinnung  Wiesbaden (mit  drei  Metzgerbrüdern ), meine  2. älteste  Schwester Metzgermeisterin,  ihr Mann Metzgermeister  ihr  Sohn, mein Neffe  Metzgermeister.

Mir  blutet  also  das  Herz   mehrfach,  wenn eine  renomierte Metzgerei inmitten der  Stadt  nicht in der Lage  ist  Kundenwünsche  zu erfüllen.  Früher   wäre  ich  zum Hintereigang  rein und  hätte  Anton  persönlich  gefragt    was da  los  ist, oder  hätte  ihn  angerufen.  Da  hätte  es  ein  gewaltiges  Gewitter im Laden  gegeben und das  Problem  wäre  geregelt gewesen.

Heute  nun hatte ich  gestrichen die Nase voll . Warum ?
Ich  wollte wieder Blut und Leberwürstchen. Natürlich das  selbe Procedere  wie immer.  Fast wie einstudiert  leierte mir  die Verkäuferin herunter  :  Frische  haben  wir  keine:  nur  geräuchert. Na  dann holens mir  welche aus dem Rauch.  Macht sie nicht, nimmt  welche aus  der Theke  ( ich will mich nicht aufregen sage  nichts…) Sie  packt mir  die  Würsteln ein..,
Beim auspacken  zu Hause  trifft mich  der  Schlag .  Wieder  sind  die  Blutwürstschen so  abgeschnitten, daß  sie  beim  warm machen auslaufen müssen oder  gar  aufplatzen.


Metzgereifachverkäuferin  ,  noch dazu  Erstverkäuferin …
hatte  solch eine Wut. Nein nicht nur  wegen  dem falschen abschneiden. Sondern wegen der Ignoranz. Von den  einst 200  Metzgereien  der Stadt  sind nur noch wenige übrig  geblieben.
Eine  davon ist die  Metzgerei meines  früheren Spezels  Anton ,  der nicht mehr lebt  und die nun von der nächsten Generation geführt  wird.

Ich frage mich als  Fachmann nun ,  was  nützt es,  wenn die ganzen Verkäuferinnen dauerndzu wie im Chor  ihr  Bitteschön  , Danke schön,  darfs noch  was  sein ,  auf  wiedersehn  heruntersingen,  daß  es  schon wieder  zuviel  ist und künstlich  wirkt.

Warum  soll der  Kunde  (ich )  einige Kilometer in die  Stadt  fahren ,  wenn man doch immer wieder  nicht  das  bekommt  was  man  will,  das   was  der  Kunde will.
Wenn  persönlich   bei  der  Chefin vorgetragene  Beschwerden nichts  bewirken

Was  bedeutet  das  letztendlich ?  Es  werden immer weniger eine Metzgerei  aufsuchen,  wenn man so mit Kunden umgeht.  Denn das sollte  ein Fachgeschäft  vom Discounter unterscheiden. War  früher Antons Laden immer  gerammelt  voll  von  6.00 Uhr  bis 18.00Uhr   und der Wunsch des Kunden  das A und O

Nicht  alles liegt  an den heutigen Zeiten  und der Geiz ist  Geil Mentalität.
Wenn man Kunden verliert ,  dann liegt  das auch und gerne  an solchen Odysses wie  ich  sie über ein viertel   Jahr  in  Dotzels  Metzgerei in Würzburg  erlebt  habe.

Zum  Abschluß:
hier  kann man  deutlich sehen warum die  Metzger in der  Werkstatt  die  Würste  „doppelt  abbinden“  damit man sie da  durchscheiden kann und sie  beim erwärmen nicht auslaufen.
Und gleiches gilt  bei  der Blutwurst.
Bild-Url: http://up.picr.de/24462887zp.jpg

Und schließlich ist  diese  sehr einfache  Wurst ja auch nicht  ganz billig,  dann sollte sie auch nicht  auslaufen.

Bild-Url: http://up.picr.de/24462888tp.jpg

 

 

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6 Antworten zu Metzgerei Dotzel oder: so vertreibt man seine Kunden

  1. hardy2014 schreibt:

    Mein lieber Bernd. Du bist zu recht sauer! Das ist schlichtweg ein Unding und gleich in mehrfacher Sicht. Über Ignoranz und böswillige Dummheit (Gleichgültigkeit) kann ich mich ebenfalls hervorragend aufregen. Und Du hast in allen Punkten recht und das ist wohl das Schlimmste daran.

    Ich habe aktuell hier in Spanien einen echten Metzger vom alten Schlag. Der sich regelrecht freut mir was zu verkaufen und auf jeden meiner Wünsche eingeht sofern wir uns (der Sprache bedingt) verstehen. In Deutschland sieht es leider auch anders aus. Einen Metzger der wirklich noch schlachtet gibt es weit und breit nicht mehr – oder ich muss wie Du Kilometer weit fahren. Die Discounter haben unsere Kaufgewohnheiten erheblich verändert – zum negativen. Das ist heute klar festzustellen. Und ich befürchte es wird wohl noch schlimmer.

    Für 13Euronochwas könnte die Jungchefin ihre aufgeschnittenen Blutwürste selbst essen! Ich hoffe man liest in Würzburg Deinen Kommentar. Leider sind solche „Geschäftsleute“ aber derart beratungsresistent, dass sie nur den Vorwurf lesen und diesen als völlig überzogen und unberechtigt abhaken und so weitermachen. Wirklich schade!

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  2. anja zimtschnegge schreibt:

    Kann das Geschriebene gut nachvollziehen, obwohl ich weder Metzger noch besonders fachkundig ausgebildet bin. Aber selbst als normale Kundin mit Anspruch auf gute Qualität und vor allem auch Information über die angebotene Ware, mache ich häufig ähnliche Erfahrungen. Fragen werden im selben Geschäft von verschiedenen Verkäuferinnen entweder unterschiedlich beantwortet ( es ist das selbe Produkt ! ??? ) oder auch genervt abgewimmelt. Und wie ihr schon sagt : das Angebot an Metzgereien ist minimal. Erst vor Weihnachten hat bei uns in Zabo die Metzgereifiliale nach 41 Jahren geschlossen. Jetzt ist die Nahversorgung mehr schlecht als recht , denn es bleibt nur Edeka. Für mich keine Alternative…

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    • derbayerx schreibt:

      Anja,
      erschschwerend ist ja daß ich ja mit der Chefin dieses leidige Thema bereits ausführlich
      besprochen hatte und sie mir für meine Hinweise dankbar war. Sagte sie zumindest.
      Weißt ich kannte den verstorbenen Seniorchef Anton sehr gut und mir schmerzt das Herz wie
      die ehemals bestgehendste und zweifelsohne beste Mezgerei der Stadt so zugrunde geht.
      Man hat sich bereits so sehr „Tod renoviert“ daß der früher stets gerammelt volle Laden
      nun wann immer ich in dort in der Nähe bin meist leer ist…..
      Anton verkaufte im Imbiss täglich zentnerweise Leberkäse
      an die Laufkundschaft von und auf dem Weg zum Bahnhof vorbei…
      Es ist nicht nur der Wandel der Zeit, ich kenne Metzgereien,
      in denen man noch immer Schlange stehen muß ehe man dran ist,
      so war das dort auch einmal….

      siehe auch: https://heutegibts.wordpress.com/2012/12/09/auf-gibts-heute-einen-leberkas/

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  3. Ulrich Gutmann schreibt:

    <war am 11.03.2017 bei Dotzel (sind 28 Jahre aus Würzburg weg und haben früher immer
    dort eingekauft, es war unsere Metzgerei) da ich mit meiner Frau in WÜ zu Besuch war.
    So unfreundlich und kurz angebunden sind wir noch in keiner Metzgerei weltweit bedient
    worden. Ein erneuter Besuch ist für uns def. ausgeschlossen.

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    • derbayerx schreibt:

      Tja : ich habe mit Anton schon als Bursch Fußball gespielt.
      Kenne aus miterleben die Familiengeschischte mit dem Unfalltod seines Vaters und
      Antons Pokerspiel mit dem Kaufhof beim Verkauf der Alt-Metzgerei in der Maulhasrdgasse.
      Dann mit ihm Metzger gelernt und Anton per Sondergehmiung jüngster Metzgermeister in Bayern.
      Mit ihm die Idee zum Guiness- Rekordleberkäs ausgetüftelt.
      Mich gerne, oft und viel mit Anton geplaudert und getroffen…
      Kurzum: Anton würde sich im Grab umdrehen, wenn er sähe, was aus einer der besten
      Metzgereien in Süddeutschland gemacht wurde…. mehr will ich nicht dazu sagen !
      LG Bernd

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