Pilz – Spezial : Ein Männlein steht im Walde… (Teil 3)

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Da mir die Ehre zuteil wir ein zweites Mal meine Leidenschaft zu teilen,
möchte ich in diesem Beitrag auf die Frage eingehen

Was sind Pilze?

Gute Frage!
Also legen wir los!;)

Pflanzen? Tiere? Oder Ganz etwas ganz anderes?

Lange wurden Pilze zusammen mit den Algen, Moosen und Farnen zu den „niederen Pflanzen“ gezählt.
Darum spricht man auch heute noch von Pilzflora.
Aber Pilze besitzen kein Blattgrün (Chlorophyll), daher können sie ihren Energiehaushalt nicht mit Hilfe des Sonnenlichtes decken.
Sie ernähren sich, wie Tiere und Menschen heterotroph, also von anderen Lebewesen Sie verwenden als Speicherstoff auch keine Stärke wie Pflanzen, sondern wie Tiere Glykogen. Auch ihre Zellwände bestehen nicht aus Zellulose sondern aus Chitin das in der Pflanzenwelt nicht vorkommt, sondern in Panzern von Insekten.

Trotzdem sind Pilze keine Tiere! Dafür unterscheiden sie sich zu stark in den Ebenen ihrer Zellen.
Pilze besitzen, im Gegensatz zu Tieren, Vakuolen (Zellsafträume) und Zellwände.
Somit zählen Pilze weder zu Pflanzen noch zu Tieren, sie bilden ein eigenes Reich, zu dem sowohl Einzeller (zB: Hefe) als auch Vielzeller (Schimmelpilze, Schlauchpilze, Ständerpilze) gehören.
Als Zersetzer (Sapophyten) ernähren sich Pilze von totem organischem Material.
Als Parasiten gedeihen sie auf lebenden Organismen wie Pflanzen, Tieren oder anderen Pilzen, die sie dadurch schädigen.

Als Symbioten dagegen leben sie mit höheren Pflanzen in einer engen Gemeinschaft, von der beide Partner profitieren.

Myzel-Teile und Mitosporen:
Pilze vermehren sich geschlechtlich oder ungeschlechtlich.
Viele Arten pflanzen sich ausschließlich asexuell fort. In ihrem Lebenszyklus fehlt die Phase der sexuellen Befruchtung und sie bilden keine Fruchtkörper aus. Man nennt sie daher Fungi imperfecti (unvollständige Pilze).
Die ungeschlechtliche Fortpflanzung kann durch Myzelstücke(durch deren Abtrennung oder Ausknospung) erfolgen, oder mit Hilfe asexueller Sporen, den Mitosporen, die direkt am Myzel gebildet werden.
Von der Spore zum Myzel
Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung werden Sporen gebildet die zu klein sind um sie mit freiem Auge zu sehen. Sie keimen zu einem Myzel mit praktisch unbegrenzter Wachstumsfähigkeit.
Dieser Myzel gehört einem von zwei unterschiedlichen Kreuzungstypen an (+ oder -). Seine Zellen besitzen nur einen Zellkern!
Wenn zwei unterschiedliche Myzel-Typen aufeinander  treffen verschmelzen ihre Zellen. Die beiden Zellkerne paaren sich, ohne jedoch bereits miteinander zu verschmelzen. Jede Zelle besitzt nun 2 Zellkerne.
Unter günstigen Bedingungen wächst das zweikernige Myzel zu einem Fruchtkörper heran. Erst im Fruchtkörper erfolgt die Kernverschmelzung!
Durch Reifeteilung (Meiose) entstehen mehrere Kerne. Nun erfolgt die Bildung der Sporen, 4 bei Ständerpilzen und 8 bei Schlauchpilzen (2.Kernteilung durch Mitose), durch Abschnürung oder in freier Zellbildung.
Da ihre Kerne durch Meiose gebildet werden, bezeichnet man diese Sporen als Meiosporen. Wenn sie reif sind werden sie ausgeschleudert oder entlassen, da ihre Verbreitung großteils über den Wind erfolgt.
Dabei sind sie sehr widerstandsfähig und legen oft enorme Strecken zurück. Wenn der Landeplatz geeignet ist, wächst aus dieser Spore ein neues Myzel.
Die Anzahl der Sporen an einem Pilz kann in die Millionen gehen (1000-10 000 Pilzsporen pro Kubikmeter Luft). Da sie winzig klein sind lassen sich ihre Formen nur unter dem Mikroskop erkennen. Diese Formen bieten aber wichtige Informationen zur

Pilzbestimmung!
Sporenpulverabdrücke oder Sporogramme nennt man das Muster, das Sporen auf einem Blatt Papier hinterlassen wenn sie aus den Röhren oder Lamellen fallen. Dazu legt man den Pilzhut direkt auf ein Stück Papier oder stellt den Pilz mit einer Papiermanschette in ein Glas mit Wasser. Die Sporenfarbe ist bei manchen Arten ein wichtiges Bestimmungsmerkmal!

Sporenbildende Zellen
von
Ständerpilzen = Ascus

Und
Schlauchpilzen = Basidie

Heute teilt man Pilze in 6 Gruppen (Abteilungen) ein:

Diese außergewöhnliche Vielfalt der Pilze hat ihren Grund in ihrer hohen Spezialisierung.
Viele Pilze sind auf bestimmte Substrate angewiesen. So gehen zahlreiche Pilze nur mit einer einzigen Pflanzenart eine Partnerschaft ein. Andere gedeihen ausschließlich auf Überresten bestimmter Pflanzen und Tieren. Und viele parasitische Pilze befallen nur einen einzigen Wirt.

Die Pilzzucht
Heutzutage lassen sich viele Pilze zu Hause Im Garten oder auf der Fensterbank züchten.Die benötigten Myzel lassen sich in den meisten größeren Samenhandlungen kaufen oder bestellen. Die Myzel werden mit dem passenden Substrat (dem Nährboden) und einer genauen Anbauanleitung geliefert die man peinlichst genau befolgen sollte um Erfolge zu erzielen!
Man kann sein Substrat auch selbst herstellen, aus 70% Sägespäne oder Stroh und 30% Reiskleie oder Gerstenspreu. Wichtig ist das Substrat 2h in einem großen Gefäß zu kochen um es steril zu machen. Das sterile Substrat lässt man abkühlen, vermengt es dann mit dem erworbenen Myzel und füllt es in Schalen oder Gurkengläser.
Diese werden an einem warmen Ort mit ca.25 Grad Celsius aufgestellt bis das Substrat von Myzelfäden durchsponnen ist. Danach sollte man das Gefäß luftig bei ca.15 Grad Celsius aufstellen zB auf ein Fensterbrett.
In diesen Kleinkulturen werden die Pilze oft schon nach 3 Wochen sichtbar und lassen sich kurz danach ernten.
Folgende Pilze kann man am Fensterbrett besonders gut züchten:
·   Samtfuß-Rüblinge: in Schalen oder Gurkengläsern
·   Austernseitlinge: in schalen, offenen Kistchen oder Gurkengläsern
·   Shii-take Pilze: auf Holzscheiben
·   Rauchblättriger Schwefelkopf: in Schalen oder Gurkengläsern
·   Stockschwämmchen: in Gurkengläsern

Züchtung von Shii-take Pilzen:
Man benötigt 15cm dicke Eichen-, Kastanien-, Buchen-, oder Birkenscheiben die man 1h in lauwarmen Wasser einwässert. Daneben sterilisiert man durch 2 stündiges kochen Sägemehl das nach dem auskühlen mit der Pilzbrut vermischt wird.

Nun werden die Holzscheiben mit dieser Mischung einige mm dick bestrichen, mit einer zweiten Holzscheibe zugedeckt und zusammengenagelt.
sich optimal als Trocknungspilz verwenden lassen!
Die Scheibenpaare mit der Brutschicht dazwischen werden in Plastikbeutel gelegt und an einem kühlen, dunklen Ort (bevorzugt im Keller) aufgewahrt.
Die Scheiben müssen jeden 3. Bis 4. Tag mit einer Sprühflasche befeuchtet werden bis sie vom Myzel durchwachsen sind. Man erkennt dies am weißen Belag der sich außen an der Rinde des Holzes bildet.
Nun können die Holzstücke herausgenommen und auf einem flachen Untersatz, dessen Boden immer feuchtgehalten werden muss, aufs Fensterbrett gestellt werden. Hier muss man beachten, dass die Holzstücke durch die Sonneneinstrahlung nicht austrocknen.
Nach etwa 2-3 Wochen sprießen aus den Holzstücken die ersten Shii-take Pilze.

Dies hier war der zweite Streich, ich hoffe es hat euch gefallen!
Ich muss gestehen, ich hab so eine Freude daran mein Wissen zu teilen!
Fast so schön wie einen perfekten Steinpilz zu finden!;)

Also, viel Spaß beim Sammeln oder Züchten?

Liebe Grüße, Eure Marlen

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Dies war eine etwas tiefer gehende Behandlung zum Thema Pilze.

Allerdings würde ich gerne sehen wollen, daß Marlen  uns vielleicht die besten Möglichkeiten der Pilzverwertung, also das Trocknen, richtiges trocknen, welche Pilze trocknen. Oder  wie man am besten Pilze eingefriert vor und Nachteile. Oder eben auch das einmachen von Pilzen das eher etwas aus der Mode ist. Vielleicht mag sie darauf noch mal eingehen wollen!

Vielen Dank, Marlen !

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