Pilz – Spezial : Ein Männlein steht im Walde… (Teil 2)

Ich bin hoch erfreut daß ich Marlen gewinnen konnte, einen Gastbeitrag für “Heute Gibts” zu schreiben. Denn als ich sie um ihre immensen Schwammerlfunde  fast beneidete,  kam mir als altem Pilzsammler sofort in den Sinn: wer so viel findet muß Ahnung haben. Und wie ihr sehen werdet hat sie ein profundes Wissen. Aber seht selbst :

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Ein Männlein steht im Walde…..

Als mich Bernd gefragt hat ob ich für seinen Blog einen Gastartikel zum Thema Pilze schreiben möchte, habe ich mich wirklich geehrt gefühlt!
Und nervös! Schließlich habe ich keinerlei Blogerfahrung und seine Fußstapfen sind ja nicht gerade klein.
Als ich dann seinen Artikel gelesen habe, musste ich schmunzeln, denn auch ich habe unzählige solcher Erinnerungen!
Ich ging früher mit meinem Vater oder meiner Großmutter in den Wald. Meist war ich mit meinem Papa auf „unserem Platzl“ Steinpilze suchen und wenn wir heim kamen schnappte mich direkt meine Oma und ging mit mir auf unser „Parasolplatzl“. Das waren noch Zeiten! Wink
Die letzten Jahre waren bei uns die Pilze eher bescheiden gestreut, doch heuer ist ein Pilzjahr sondergleichen!

So jetzt wird es aber etwas „theoretischer“, schließlich wurde ich gefragt ob ich den Hintergrund zum Pilzwissen etwas beleuchten kann.

Also dann…..

Pilze zählen zu den ältesten Nahrungsmitteln der Menschen.
Sie bilden die Basis zahlreicher Produktionsverfahren wie etwa die Herstellung von Brot, Bier, Wein oder dem Reifeprozess von Milchprodukten.

Zudem wurde aus Zunderschwämmen Kleidung und Papier hergestellt und aus vielen, auch giftigen Pilzen, können organische Farbstoffe hergestellt werden.

Durch den Abbau organischer Substanzen zu Humus erhöhen Pilze die Fruchtbarkeit des Bodens. Pilze unterstützen die Entwicklung höherer Pflanzen und steigern ihre Wachstumsleistung. Heute gewinnen wir aus Pflanzen Medikamente, Vitamine und Enzyme.

Das was wir als Pilz bezeichnen sind in Wirklichkeit nur die Fruchtkörper, also die Fortpflanzungsorgane des Pilzes. Auch der Begriff „Fruchtkörper“ ist irreführend, denn Pilze bilden keine Früchte, Sporenträger zur Verbreitung ihrer Sporen.

Der eigentliche Pilzkörper ist das Myzel, das sich verborgen im Substrat befindet.
Es besteht aus unzähligen feinen Pilzfäden, den sogenannten Hyphen.
Verglichen mit dem Fruchtkörper ist das Myzel riesig!                                                 In nur einem Kubikmeter Erde kann ein Geflecht von tausenden Kilometern von Pilzfäden enthalten sein. Anders als der Fruchtkörper keine feste, klar definierte Form. Es passt sich vollkommen dem Organismus an den es durchwächst!

Pilze sind witterungsabhängiger als die meisten anderen Gewächse.    Temperatur und Feuchtigkeit müssen genau stimmen damit sich das Myzel unter der Erdoberfläche ausbreiten kann. Die feinen Fäden des Geflechtes können das Erdreich ganz locker oder sehr dicht durchziehen.

Erst wenn sich das Myzel unter der Erde ausgebreitet hat und mit Nährstoffen gefüllt ist, bildet es an mehreren Stellen winzige Knoten, aus denen nun Pilze wachsen können. Um aber aus den Myzel-Knötchen einen im Verhältnis dazu riesenhaften Pilz hochschießen zu lassen, braucht das Myzel nun erst recht neue Wasservorräte und Nährstoffe. Enthält der Boden nicht genug Feuchtigkeit und wird das Wachstum nicht durch wärmere Temperaturen gefördert, können sich die Knoten auch nicht zu Pilzen entwickeln. Das schadet zwar dem Myzel nicht, dieses stellt aber das Wachstum ein und überdauert ein Jahr.

Die Myzelien leben viele Jahre im Boden wobei manche ein sehr hohes Alter erreichen können. In den Rocky Mountains wurden 600Jahre alte Myzelien gefunden!

Manche Myzelien verbreiten sich gleichmäßig nach allen Seiten und setzen ihre Fruchtkörper an den äußersten Rand des Myzelgeflechts an. Dann wachsen die Pilze in großen, geheimnisvollen Kreisen, den sogenannten Hexenringen-

Jeder Pilzsammler hat seine bestimmten „Plätze“ an denen er Jahr für Jahr Pilze findet. Solche Plätze gibt es tatsächlich, denn das Pilzmyzel bleibt meist über viele Jahre erhalten und kann unter günstigen Bedingungen auch jedes Jahr Fruchtkörper hervorbringen. Eines Tages sterben diese Myzelien aber ab, sei es durch ihr natürliches Lebensende oder durch Umwelteinflüsse wie Trockenperioden, Veränderungen im Forstbestand, Anlegen von Wegen und Straßen oder Umweltverschmutzung.

Manche Pilze leben in enger Partnerschaft mit bestimmten Bäumen, wie der Birkenpilz mit der Birke, wobei zwischen Baum und Pilz ein intensiver Stoffaustausch stattfindet!

Zum Stamm der echten Pilze zählen 1-1,5 Millionen Arten. Etwa 100.000 davon sind bis jetzt bekannt und jährlich kommen neue dazu. Pilze leben an Land, im Süßwasser und selten im Meer.

Pilze sind sehr unterschiedliche Gruppen.

Die meisten sind winzig klein und nur unter dem Mikroskop erkennbar. Gerade unter den kleinsten Pilzen befinden sich viele Schädlinge wie Schimmelpilze, Rost-u Brandpilze und Mehltaupilze die unsere Nutzpflanzen befallen und ruinieren.

Andererseits gibt es winzige Pilze die schon vielen Menschen das Leben gerettet haben da aus ihnen Penicillin und andere Antibiotika hergestellt werden.

Pilze grenzen sich von anderen Organismus Gruppen durch ihre Lebensweise und ihren Körperbau ab. Für ihre Einteilung wird der Fruchtkörper sowie die Methode der Sporenproduktion u –verbreitung herangezogen. Die wichtigsten für uns Pilzsammler sind davon die Schlauch-u die Ständerpilze.

Es gibt eine erstaunliche Vielzahl von Formen.

Die wichtigsten Kennzeichen sind:

* Unterseite des Hutes (Blätter oder Röhren)

* Ringe und Manschetten am Stiel

* Knollen und Scheiden an der Stielbasis

* Formen des Pilzhutes

* Farbe des Pilzhutes

Es gibt verschiedene Arten Pilze zu konservieren:

Trocknen: Die Pilze werden in ca. 3mm dicke Scheiben geschnitten und auf Backpapier oder aufgefädelt auf einer Schnur in der Sonne getrocknet. Schneller geht es bei geöffnetem Backrohr bei maximal 70Grad Celsius oder in speziellen Trockengeräten

Tiefkühlen: Viele Pilze können fein geschnitten im rohen Zustand eingefroren werden zB Steinpilze. Andere wie Eierschwammerl sollte man zuvor kurz Blanchieren. Man sollte Pilze immer in kleinen Portionsgrößen einfrieren da sie vor dem Kochen nicht aufgetaut werden dürfen.

Einlegen: Dafür muss man die geschnittenen Pilze kurz in Salzwasser blanchieren um sie anschließend in Essigwasser, Marinaden oder ihrem eigenen Saft einzulegen. Die Schraubgläser sollten im Wasserbad noch einmal erhitzt werden um die Haltbarkeit zu erhöhen. Die Lagerung an einem dunklen und kühlen Ort erhöht die Haltbarkeit ebenfalls.

Herstellung von Pilzessenz: durch mehrmaliges aufkochen kleingeschnittener Pilze die anschließend abgeseiht werden. Der Sud wird gesalzen und stark eingekocht. Im Kühlschrank ist sie mehrere Wochen haltbar.

Herstellung von Pilzpulver: durch mörsern verschiedener getrockneter Pilze.

So das war´s fürs erste mit der Informationsflut! Wink Ich hoffe, es hat euch gefallen und ich konnte euch ein klein bisschen Interesse an meiner Leidenschaft für Pilze übermitteln! Dann wünsch ich euch noch ein fröhliches Sammeln!

Liebe Grüße eure Marlen

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Vielen herzlichen Dank, Marlen  schön daß du uns etwas tiefer in die geheimnisvolle Welt der Pilze hast blicken lassen. Vielleicht  gibts ja noch einen Nachschlag?  Die Leser von „Heute gibts“  und auch ich würden sich bestimmt freuen,

vielen Dank!

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