Mach mer Brotzeit ? Brotzeit ist die schönste Zeit…

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Warum nicht ?  Es ist mir sogar ein Bedürfnis
Brotzeit. 
Ein Begriff  der langsam ausstirbt für viele, sehr viele. Schade.
Es gibt sicher viele Gründe warum das so kommen mag. Das fängt schon mal beim Brot an. Viele junge Leute wissen schon gar nicht mehr, wie gutes Brot schmeckt, schmecken soll, schmecken kann.

Und das im ehemals Brotland Nummer eins auf der Welt  mit Bäckerzünften die bis ins Mittelalter reichen. Ein uraltes Handwerk scheint  in der Auflösung zu sein . Industrielle Brotautomaten sollen das kunstvolle Handwerk ersetzen.
Schon heute wird Brot , Brötchen aus Dritteweltländern wie Indien etc als Gefrierteiglinge in weltgrößten Kühlschiffen zu uns transportiert.  Computergesteuerte  Fabriken sollen uns unser Brot machen…. statt Bäckermeister mit der unendlich angehäuften Erfahrung aus  so vielen Jahrhunderten.

Fortschritt soll das  sein ?

Ja, das sollte man schon auch bedenken wenn man über die Kunst des Brotzeit machens erzählen will. Und es ist eine Kunst richtig schön Brotzeit zu machen.  Jeder wird nun ein Bild, eine Vorstellung von „Brotzeit“ vor sich haben .
Bei mir sind das sehr viele Bilder, denn als kleiner Junge wuchs ich in einem Wohnviertel auf, in dessen Zentrum  einige Betriebe waren, Händler, Tankstelle, Autowerkstätten usw. Und meine Eltern hatten dort ein Fuhrunternehmen, eine Metzgerei und  auch noch eine Gaststätte.
So konnte ich als kleiner Junge sehen  wie Leute Brotzeit machten, was sie dazu brauchten, wie sie diese zelebrierten.

Da waren morgendlich die Brottzeitholer für die umliegenden Betriebe. Meist Lehrbuben die mit einem Haufen Zettelchen und Namenslisten die Brotzeit holten in der Metzgerei.  Belegte Brötchen mit dem oder dem drauf, dünn geschnitten oder am Stück . Brötchen extra zur Wurst dazu. Andere wollten Brot statt Brötchen belegt haben. Und war Schlachttag war peinlich genau notiert, daß der Meister  mageres Kesselfleisch will und viel Nierchen dabei.

Also ich weiß wovon ich rede, wenn ich von der scheidenden Brotzeitkultur spreche.

Anders wieder einige Meter weiter in unserer Gastwirtschaft, dort wurden alle möglichen Wurstbrote bestellt,
oder  eine dicke Scheibe fränkischer Weißer Pressack oder auch ein Roter Gelegter.
Auf dem Holzbrett serviert , allenfalls ein Essiggurke dabei.
Und es gab extra Messer dazu , das Brotzeitbesteck mit schwarzen  Holzgriffen.
Viele, sehr viele Mannsbilder führten stets ein Taschenmesser mit , undenkbar mit dem Wirtshausmesser  die Brotzeit aufzuschneiden.
Wie oft stand ich daneben, beobachtete wie alte Herrchen ganz präzise und sicher gesetzt, mit unheimlicher Akkuratheit ihre Wurststücken schnitten,
den Teller das Brotzeitbrett genau einteilten was wo auf dem Brett zu liegen hat.
Und jeder machte es anders.
Die einen sehr bedacht, andere wieder ruck zuck. Bei manchen sieht man den unbändigen Hunger und sie schnibbeln schneller als sie essen können.
Andere ältere Herren  zelebrieren  ihre Brotzteit aufs kunstvollste.
Dann wieder kamen Handwerker, Maler, Verputzer  mit Farbe an den Händen, mit verschmierten Putzresten an den hochgekrempelten Ärmeln.
Automechaniker mit den ewig schwarzen Fingernägeln sind mir genauso in Erinnerung,  wie Vertreter die sich nach jedem Bissen  eifrig den Mund und die Mundwinkel abputzten.

Ich liebte es, die Gäste , die Leute zu beobachten, wenn sie Brotzeit machten.
Die einen laberten, schimpften und ereiferten sich über Gott und die Welt  während des Brotzeiten und  andere setzten sich gar einen Tisch weiter, um sich ja ungestört der Brotzeit hingeben zu können.

Oder wo sieht man noch den Tapezierer, den Maler bei sich zu Hause, daß er aus einer Ledertasche die Thermosflasche herausholt, die Brotzeitdose.  Sich am Boden niedersetzt und seinen Kaffee schlürft, genußvoll  ein Scheibchen Wurst vom Ringel abschneidet und sich einverleibt, während er die Welt um sich Welt sein läßt. .

Nein ich will jetzt nicht schreiben von diesen widerlichen Plastikverpackungen die auf jeder Baustelle herumfliegen .
Und ich will auch nicht über diesen Dreck an Industriewurst sprechen die in diesen Plastikverpackungen drin ist.

Gerade jetzt um diese Jahreszeit erinnere ich mich allzu gerne ans Pilze sammeln in den umliegenden Wäldern.
An müde Beine, Knochen Glieder.
Und wie hatte Hunger, hatte  man Sehnsucht nach einer Brotzeit nach, einem Wirtshaus,  in dem man zu einer zünftigen Brotzeit einkehren konnte,
mit Gelüsten nach einer hausmacher  Dosenwurst, einem Ripperl oder  auch nur einem Butterbrot, Schnittlauchbrot, einem Schmalz oder Griebenbrot.

Also kommt, laßt uns jetzt auch Brotzeit machen,
ich habe ein selbst gebackenes frisches Brot da und alles mögliche auch.

Guten Appetit miteinander !

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3 Antworten zu Mach mer Brotzeit ? Brotzeit ist die schönste Zeit…

  1. DerSilberneLoeffel schreibt:

    Schön ist es für mich, dass ich beobachten kann, dass die Bäcker mit dem einfachen Mist aus der TK hier stagnieren, vielleicht sogar rückläufig sind. Der Käufer probiert die neu angebotenen Waren, gelockt vom Preis. Irgendwann fehlt aber der gute Geschmack. Ich hoffe, dass das Umdenken angefangen hat.
    LG, Holger

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    • derbayerx schreibt:

      Das kann man sich wirklich nur wünschen.
      Es gibt jedoch wenig Anlaß dazu.
      Viel mehr scheint es, hat die Backindustrie die Bäcker in ihren Klauen.
      Lies mal nach, was Lutz Geißler (plöztblog) immer wieder mit denen erlebt…

      LG Bernd

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  2. Joachim schreibt:

    Fuer mich ist (eigentlich Sachse) die Brotzeit eine eigenstaendige Mahlzeit. Ich moechte dabei auch nicht gestoert werden wenn ich denn schon einmal gute Sachen aus singapore mit bringe.
    Unterschied ist nur zu Deutschland das ich die Brotzeit zwischen 5 und 6 uhr morgens mache und in aller Ruhe im Morgengrauen auf der Terrasse mit erwachender Tierwelt den neuen Tag angehe.
    Es gibt aus meinen Erinnerungen herraus auch nichts schoeners als eine Brotzeit bei einer Bergwanderung mit einen Schoenen Ausblick.
    Also last es euch schmecken, aber in Ruhe und nicht nur reinschlingen um den Magen voll zubekommen.In der Ruhe Liegt die Kaft !

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