Gezwickte fränkische Bratwurst und was man zuvor sieht…

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Wie „Heute gibts“  Leser wissen , schaue ich zu gerne auch mal nach links oder rechts wenn ich unterwegs bin. Und von vielen Lesern weiß ich , daß sie meine „Geschichten“ mögen und ihnen manchmal dieses oder jenes zeige, aufmerksam mache.

Heute nehm ich euch wieder mal mit auf einen kleinen Weg den ich heute in der Stadt unternahm. Auf wenigen Metern fielen mir einige sachen auf, an denen man sonst eher achtlos vorbeiläuft.

Da fiel mir ein altes vertrautes  Gasthaus im Jahrhundertwende Klassizismus inmitten der Stadt ins Auge.

Der Reichsapfel

Ich bin erschrocken.
Das gediegene alehrwürdige Gebäude ist verschandelt sieht zum kopfschütteln aus, das fiel mit zu allererst ins Auge.  Primitive  stillose, geschmacklose Reklameschilder und Tafeln verschandeln das ganze Haus das ganze Ensemble. Aufgerissene Fenster und Kellner und Köche kippenrauchend vor dem enstellten  Wirtshaus, Pizza to go statt gediegener fränkischer und deutscher Küche.

Es befällt einen ein Kopfschütteln und man fühlt sich im falschen Film.

Dazu muß ich sagen, daß das Karree sich in unmittelbarer Nähe des Rathauses
und Sichtweise des ehrbaren Rathauses befindet Ensemble Schutz ? Mitnichten. Direkt einige Meter weiter ein sehr tradtioneller  uralter Platz in mitten der Stadt :

zu ewigen Zeiten der Fischmarkt der Stadt.

Versehen mit einem dazu notwendigen Brunnen. Künstlerisch gestaltet und  den Fischern, der Fischerzunft gewidmet, hier ganz in der Nähe des Maines wo die Fischer zu Hause waren.

Einen Tag nach Aschermittwoch darf ich  daran erinnern , daß dieser Brunnen der Ort war an dem jahrhundertelang der Brauch des Geldbeutelauswaschens an Aschermittwoch stattfand.  Als  junger Mann gesellte ich mich in den Morgenstunden zu Studenten, Verbindungs Burschenschaften und anderen tradionsbewußten Nachtbummlern.

Und wichtig war, sich eine Karpfenschuppe in den Geldbeutel in die ausgewaschene Börsse zu stecken. Denn das soll Glück bringen, besonders aber das Geld nicht ausgehen lassen.

Daneben war früher  der Fischkaufmann ein altes eingeführtes Fischgeschäft . Sehr volkstümlich  aber auch preiswert und günstig und das im Herzen der Stadt. Vorbei,  gibts nicht mehr, außer in der Erinnerung.

Aber auch den ehrwürdigen Reichsapfel,  gibts so nicht mehr . Ein traditioneller Gasthof, natürlich immer mit Frischfisch neben dem Fischmarkt.
Und bodenständiger fränkischer Küche. Alles immer  sehr frisch und das nicht nur weil neben dem Fischmarkt auch der Schlachthof nicht weit war, der marktplatz , der grüne markt der Bauern, aber auch der  Obst und Gemüse Großmarkt abgehalten wurde. Frische ware war also immer garantiert im Reichsapfel.  Auch waren stets gestandene Wirtsleut im Haus, die die Landbevölkerung beim Stadt oder Marktbesuch  bestens bewirteten.

Das alles im Gedächtnis war ich dann doch etwas erschrocken und verstört ob diese Anblicks. Sicher alles ist im Wandel der Zeit alles ist sich immer am ändern. Doch man muß mansollte etwas Einhalt gebieten und nicht alles opfern.

Ein typisches Beispiel sah ich nur einen Katzensprung von Reichsapfel und Fischerbrunnen entfernt.

Ein eher unscheinbares Ladengeschäft: schlicht und einfach Dorbarth steht darüber. Ich war schon vorbeigelaufen dann hielt ich inne und trat nochmals einige Schritte zurück:
Ja es gibt ihn noch den

„Possamenten Laden“

Was das ist ? Vergoldete Kordeln, Rüschchen, Einfassungen für Deckchen, Dekorationen   und und und.
Ich betrat den Laden  etwas scheu , aber doch begeistert und mit Freude daß es den Laden noch gibt, verschwindet doch immer mehr. Der Inhaber begüßt mich freundlich und ich denke mein Interesse freute auch  ihn. Auch, als ich sagte, daß ich noch als kleiner Pimpf den Laden in exakter Ausstattung so kannte, aufs I Tüpfelsche so wie früher, erfreute es ihn.  Gerne zeigt er mir seine Spezialmachinen, mit denen Seile aus glitzerneden Fäden gezogen werden. Stickereine in unendlich Vielfalt.

Er ist einer der wenigen Possamenten Meister. Ein uraltes Handwerk . Sichtlich erfreut ist er erklärt mir vieles , auch daß er derzeit niemanden ausbilden könne, das geschäft gibt es nicht her.

Soll alles traditionelle verschwinden?

Ich blicke auf die deckenhohen Regale mit unendlich viel Material , das ich nicht benennen kann. Dann  zeigt mir der Meister seine Maschinen . Alte Spezialmaschinen, wohl nicht mehr  viele davon zu finden. Doch alle noch  funktionsfähig und einsetzbar.  Eine Maschine, die verschiedene Kordeln zu einem Seil bindet, verdreht. Eine uralt Singer Profi Nähmachine, und und und.

Er will weitermachen, der Meister. Und daß ihm die Kirche sehr entgegenkommt. Die Bischofstadt  und der Klaerus bieten vielfältige Arbeit für den Possamenten Meister.

Zuguterletzt gestattet er mir einige Aufnahmen zu machen, von einem uralten Handwerk das zu verschwinden droht.

Fischmarkt , weg, Traditionswirtshaus weg , Fischkaufmann weg, doch der kleine Dorbarth Laden hält sich.  Und das hat mich dann doch sehr erfreut!

Unweit davon der Marktplatz .

Ich brauche eine Bratwurst jetzt, eine gezwickte.

Schon stehen die Leute wie immer Schlange bei Kollege Knöpfligs Bratwurstbude.


Achso , ihr meint das sei doch ein Food Blog?
Gut, ich habe schon etwas gemacht zu Hause, zwar nichts gekocht , aber 2 schöne Brote gebacken.
Das aber wird ein extra Bericht .

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3 Antworten zu Gezwickte fränkische Bratwurst und was man zuvor sieht…

  1. Noémi schreibt:

    Ein bisschen Foodcontent hattest du doch 😉
    Schöner Bericht, den Kordelmacher kannte ich tatsächlich noch nicht!

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  2. Eulchen1943 schreibt:

    Ja… wieder mal ein Blog weniger zu Kochen als zum Plaudern… das mag ich!!!
    Und ich muss dir Recht geben! Die nüchternen Schilder an dem schnönen Gebäude wirken „fehl am Platze“, alles Schöne wird verschandelt… schade!!!

    Da wirkt der Laden mit den Kordeln wie als einem anderen Zeitalter und sowas geht leider alles verloren.

    Liebes Grüßen… Eva ♥

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    • derbayerx schreibt:

      Ja Eva,
      so ist das leider. Mein Vater war mal 24 Jahre in dieser Stadt Stadtrat und im Bauausschuß.
      Da war man was das Stadtbild angeht ungemein pingelig.
      Heute wird alles nur noch verhunzt, ja man möchte überspitzt sagen : verschandelt.
      Der Sinn für Ästhetik, für das Schöne an sich geht verloren.

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