Gastbeitrag: Die beste Martinsgans, oder ?

Gastbeitrag eines Lieben Freundes und Geschichtenerzählers
Es gibt nichts Schlimmeres,als ,als Oesterreicher in Oesterreich fuer
ein deutsches Unternehmen zu arbeiten.
Vorschriften da und dort.Ansuchen fuer einen freien Tag mussten
eingeholt werden,die Sommerurlaube waren bereits kurz nach Weihnachten
festzulegen u.s.w.
1984 hatte ich die Nase gestrichen voll und machte mich selbstaendig.
Ich hatte zwar keine Ahnung in welcher Branche ich reich werden wollte
und so fand ich durch ein Zeitungsinserat ein zum Verkauf stehendes
Grosshandelsunternehmen,das Musikinstrumente und Zubehehoer als
Unternehmensgegenstand hatte.
Die Besitzer wollten das Unternehmen rasch verkaufen,da sie sich
zerstritten hatten und ein zweites Greenhorn,wie ich es war,so schnell
nicht zu finden sein wird.
Das Formale und Finanzielle war daher schnell abgewickelt  und schon
standen wir,meine Exfrau und ich, ohne Kenntnis von der Materie da.
Wir hatten vereinbart,dass wir uns eine gewisse Zeit Rat von den Vor-
besitzern einholen koennen und so kam es,dass wir einen Termin fest-
machten,der im Privathaus  abgehalten werden soll.
Zum gegebenen Zeitpunkt suchten wir die elegante Villa in der ange-
gebenen Ortschaft.
Wir fanden sie nicht.An der Adresse stand ein uraltes Bauernhaus mit
kleinen Fenstern in den meterdicken Mauern und einem windschiefen
 Einfahrtstor.
Aber wir waren am richtigen Platz.Die Kueche war der zentrale
Raum.Direkt unter dem Herrgottswinkel der grosse uralte Ess-
tisch.Auf der anderen Seite der prachtvolle Herd in dem ein Feuer
brannte,wie es in der Hoelle nicht besser sein koennte.Dem Back-
rohr entstroemte ein betoerender Duft,der von einer Gans ausging,
die schon geduldig darauf wartete,am Punkt genau gebraten,ser-
viert zu werden.
Um es kurz zu machen : nie in meinem Leben vorher noch nachher,
habe ich einen Vogel zu Martini gegessen,der besser mundete.
War es das Holzfeuer,war es der Schamott,der aus der Gans ein unver-
gleichliches Esserlebnis machte ? Wir wissen es nicht!
Jahre spaeter trennte sich das Gastgeberpaar.Die Frau des Hauses
wollte in einer zeitgemaessen Wohnung leben,die ausgestattet ist mit
einem Elektroherd der alle Stueckerl spielt und stellte das Ultimatum.
Der Herr des Hauses entschied sich jedoch gegen seine Frau und fuer
den uralten Herd.
Im neuen Zuhause der guten Frau steht nun der neue Herd,aber damit
wird sie eine so gute Martinigans niemals im Leben mehr hinkriegen.
Niemals- ich schwoere es !
Jock
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6 Antworten zu Gastbeitrag: Die beste Martinsgans, oder ?

  1. Eulchen1943 schreibt:

    Ich denke auch, dass es der alte Ofen macht, auf dem man noch schmackhaftes Fleisch zubereiten konnte.
    Ich erinnere mich an einen Österreichurlaub… da haben wir auf einer Alm einen Schweinsbraten gegessen, da konnte man sich die Finger lecken.
    Die Wirtin, eine gemütliche Frau mit reichlichen Rundungen, kam im weißen Kittel aus ihrer Küche, und darin stand noch ein richtiger Ofen, der seine wohlige Wärme bis in die Gaststube verströmte. Sie trug persönlich die Gerichte an unseren Tisch, und ich habe danach nie wieder einen so köstlichen Schweinsbraten gegessen.

    Liebe Grüße und danke für die schönen Geschichten, lieber Jock!
    Eva ♥

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    • derbayerx schreibt:

      Ja, das ist nicht abwegig und schon gar nicht ungewöhnlich was Jock da so gut in Erinnerung behalten hat.
      Du ja auch, Eva!
      Es ist tatsächlich etwas vollkommen anderes. Diese alten Monstrümmer an Öfen ( an denen ich noch gelernt habe)
      (hier sind reichlich welche Abgebildet : https://www.facebook.com/groups/221172824706981/ )
      sind anders. Jock hat schon ein Stichwort gegeben: sie sind innen komplett mit Schamottsteinen ausgemauert,
      was zum einen ein ganz anderes „Klima “ im Ofen erzeugt, als ein toter ,mit Blech ausgeschlagener Ofen,
      aber auch die Feuchtigkeit ganz anders aufnimmt oder abgibt . Ein Blechofen „schwitzt“ , Wasser und starker Dampf
      sammeln sich an Wänden und rinnen herab. Das gleiche gilt ja für Backöfen!
      Diese sind auch heute nur mit Blechausgeschlagen.
      Anders wenn man zu einem früher üblichen ( und heute wiedererstehenden) „Dorfbackhäuseln“ schaut. Auch da nur mit Schamott ausgemauerte
      Öfen. Oder nehmt die schönen Holzkaminöfen in den Häusern der Alpenregionen, alle erzeugen mit Schamott ausgeschlagen eine gesundes Raumklima.

      Ja Jock , mach weiter deine „Tip/Klickfehler“ 😉

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      • keinbisschenleise schreibt:

        Ich bin 100% davon überzeugt, das es an dem Ofen lag, solch eine gute Gans zu zubereiten.

        Niemals habe ich bessere Speisen zubereitet, als früher auf meinem Holz-und Kohleherd.

        Die beiden großen Rohre rechts und links, waren immer voll und es war einfach ein Genuss, was man da alles zaubern konnte.

        Toller Gastbeitrag *Daumenhoch*

        Liebe Grüsse
        Uschi

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      • Achim Kern schreibt:

        Hallo Jock

        Das ist eine starke, facettenreiche Geschichte mitten aus dem Leben. Sie erinnert mich nicht nur alte, wunderbare Öfen, sondern auch an meine diversen blauäugigen Anfängerfehler als Selbständiger.

        Hallo Bernd

        Dir gratuliere ich herzlich zum Jubiläum Deines hervorragenden Koch- und Lebensmittelblogs voller leicht verständlich erklärter Fachkenntnisse.

        Grüße an Euch, Achim

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      • derbayerx schreibt:

        Ja Hallo, Achim

        Freut mich, daß du zum 1-jährigen reingeschaut hast.;)
        Aber mehr noch daß es dir auch gefällt. Es soll ja kein Blog für „Fachidioten“ sein.
        Natürlich gibt es einige im net die noch voll im Erwerbsleben stehen und sich noch ihre Meriten verdienen müssen,
        und das nicht so locker, lässig angehen können wie ich.

        Und daß Jok schöne Geschichten zu formulieren weiß, das wissen wir ja zu genüge, Achim !

        Danke für den Besuch, Achim!

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  2. Achim Kern schreibt:

    Hallo Bernd

    Wenn ich schreiben würde, ich hätte die Zeit der letzten 12 Monate ausschließlich in Deinem Blog verbracht, dann wäre das eine Übertreibung. Die Angabe von 30 Besuchen wäre allerdings eine Untertreibung.
    Manchmal unterschätzt Du die Attraktivität Deiner sehr informativen Blog-Beiträge. (Grinse-Smiley)

    Grüße, Achim

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