Federweißer oder Bremser ? Weinlese in Franken

In Franken  sind wir mitten in der Weinlese.

Die Winzer sind mit Kind und Kegel und allen, die 2 Hände haben,  in ihren Weinbergen unterwegs, um die Trauben zu lesen, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Onkels, Tanten Omas, Schwiegermütter müssen mit hinaus, schlüpfen in ihre bunten Kittelschürzen, tragen mehrere Pullover übereinander, alle möglich Sport und Pluderhosen aufeinander, nur um gut gepolstert dem naßkalten Wetter zu trotzen.

Roter fränkischer Federweißer, seltener als weißer

Dann gehts gemeinsam auf die Anhänger  und der Traktor fährt die Erntehelfer
zum Weinberg. Alles ist mit scharfen Scheren zum schneiden der Träubel „bewaffnet, und haben Handschuhe an. Denn der auslaufende Saft von Trauben verklebt die Hände und Scheren und sich dann zu schneiden wäre unangenehm, passiert aber dauernd. Dann schnappt sich jeder einen Eimer und es geht die engen Zeilen hinauf.                                              Es sieht leicht aus, ist  aber doch beschwerlich .
Es muß fester Halt für die Füße gefunden werden, der Eimer ordentlich abgestellt werden, so daß man nicht mehr verliert, als man hineinschneidet. Und mit einem Blick zu den Nachbarn in den Zeilen ,stellt man schnell fest, daß man zu langsam ist, zurückhängt mit der Schneiderei. Es gilt noch flotter zu schneiden um nachzukommen. Endlich oben am Weinberg angekommen stellt man mit Erstaunen fest, daß es ein altes Großmütterchen, eine Oma war,  die schneller die Trauben vom Stock geschnitten hatte als man selbst.

Man plaudert und plaudert beim lesen, nur unterbrochen vom Büttenträger,
der ein großes Faß , die Butte, auf dem Rücken trägt und dafür sorgt, daß die Leser und Leserinnnen  ihre vollen Eimer mit Trauben los werden, weiter arbeiten können.

Es ist ein hartes Brot „Buttenträger“  zu sein, behende und trittsicher die Hänge und Zeilen hinauf, aber auch vollbeladen heil die Trauben hinunter zu bringen.
Dort stehen die Anhänger mit Bottichen, oder mit Planen ausgelegt, andere wieder haben Transportfässer  oder gar eine Entrappungsmachine, mit der noch im Weinberg  die Trauben von den Stielen entfernt (entrappt ) werden.

Jedesmal hat der Buttenträger gut und gerne 60-80 Kilo im Kreuz und das in den steilen Lagen und ohne festen Tritt. Mittags dann stehen auf dem Weinbergsweg , vom Winzer und seiner Frau hergerichtete Tischreihen mit reichlich Brotzeit , oft aus eigener Schlachtung, deftiger Schinkenspeck, große Laiber mit Bauernbrot, und manchmal auch mal ein Eintopf.

Aber immer auch ein Humpen voll Wein,  Wasser für eine Schorle, und auch mal ein selbstgebrannter Schnaps, wenns gar so kalt ist und der Wind durch den Wengert pfeift.

Und abends nach der Lese dann mundet das hier gut, ein fränkischer Federweiser, Bremser, also junger Wein, Traubensaft der gerade vergärt.
Dazu dann allzu gerne ein schöner warmer Zwiebelkuchen, ein Zwiebelblatz,
oder ein gebackener Blatz, hauchdünne Teigfladen mit grobem Salz und Kümmel, oder auch das Schüttelbrot. Andere ziehen Schinkenstangen vor, oder Salzstangen aus Hörnchenteig. Dazu eine Hand voll Weintrauben aus dem Weinberg,

Herz was willst du mehr !

links mit Zwiebelkuchen  , rechts  mit fränkichem dünnem Blatz

roter Federweisen mit Schüttelbrot links,   rechts mit Salzstange

Mit fränkischem BLATZ
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5 Antworten zu Federweißer oder Bremser ? Weinlese in Franken

  1. Eulchen1943 schreibt:

    Mir scheint, du hast selbst schon bei einer Weinlese mitgeholfen!
    Es ist alles sehr anschaulich beschrieben.

    Als ich Kind war, hat mein Vater selbst Wein hergestellt, allerdings aus Johannisbeeren oder Rosinen. Mich hat die Herstellung fürchterlich angeekelt, der Geruch der Maische, die in großen Töpfen auf dem Ofen gähren musste und dann durch Tücher gepresst wurde. Alles roch schrecklich unangenehm und ich habe lange den Geruch von Wein nicht ertragen.
    Erst als ich Fünfzig war, lernte ich meine Abneigung zu überwinden, lernte Wein zu trinken und
    tatsächlich langsam zu genießen.

    Heurigen habe ich erstmalig auf einem Weingut in Krems getrunken, da bin ich auch durch die Reihen eines Weinbergs geschritten und war fasziniert von dem kleinen Städtchen mit den schmalen Gassen, die wir bis zum obersten Weinberg hochgelaufen sind. Gezeigt hat uns das alles eine Linzerin, die wir irgendwann mal auf einer Wanderung im Auto mitgenommen hatten. Später haben wir bei unseren Urlauben in Österreich immer einen Ausflug nach Krems eingeplant und sind an einem schönen Tag an der Donau entlang durch die Wachau bis Krems gefahren, um an dem lauschigen Plätzchen im Gastgarten des Weinbauern bei Gorgonzola und Butter mit Brot und einem Schoppen Heurigen die Erinnerung an unseren ersten Besuch aufzufrischen.

    Und erst letzte Woche fand ich zufällig Kremser Wein im Angebot unseres REWE-Marktes und hab mir einen Karton mitgenommen. Und während ich ihn trinke, denke ich immer an die sonnigen Tage hoch oben in einem Weingarten des Städtchens Krems zurück.

    Liebe Grüße und gute Nacht!
    Eva ♥

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    • derbayerx schreibt:

      Huch, ein schönes Geschichtchen, Eva !

      Respekt.

      Du hast auch eine Gabe mit flüßiger Hand anderen deine Erlebnisse mitzuteilen. Das kann nicht jeder, Kompliment!

      Ja ich habe mir als junger Bursch in den Schulferien mein erstes Fahradl in den Weinbergen des Bürgerspitals und Würzburgs Edellage „Würzburger Stein“ verdient.
      Vorher mußte ich mir ein Damenrad mit meinen Schwestern teilen… Dann hatte ich endlich ein Herrenrad mit Strange oben….

      Mein 1. Restaurant hatte separat ein Weingut angeschlossen und ein Kumpel von mir hatte hier auch ein Weingut, ehe er nach Ibiza auswanderte. Ich weiß daher recht gut bescheid und war oft und gerne draußen in den Weinbergen. Für honorige Gäste habe ich schonmal ein Menue in den Weinbergen serviert….

      Danke für deine Geschichte , Eva!

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      • Eulchen1943 schreibt:

        Das Kompliment kann ich zurückgeben… *lächel*, du kannst nicht nur gut erzählen, sondern auch noch gut kochen!!!

        Sonnige Grüße trotz der Nässe, die es vom Himmel regnet!!!
        Eva ♥

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  2. keinbisschenleise schreibt:

    Ach wie schön, eure Kommentare hier zu lesen und vom Evchen kenne ich diese Geschichten ja schon und wie sehr sie immer von damals schwärmt.
    Ich bin ja gewissermaßen schon als Reblaus auf die Welt gekommen,
    da mein Vater immer sagte, er wäre mit der Weinflasche aufgezogen worden *grins.
    Er wurde an der Bergstrasse (Baden Württemberg) in der Rhein-Neckar- Region geboren
    und hat uns Kindern viel überliefert.
    Ein Sonntags-Essen ohne Wein auf dem Tisch, wäre undenkbar gewesen ;-).

    Ein toller Blog über die Weinlese *Daumenhoch

    Herzliche Grüsse in den Abend
    Uschi

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