Heute gibts: einen Landgockel

Heute gibts einen Landgockel, endlich mal wieder, da freu ich mich!

Wer nur im Supermarkt sein Geflügel kauft ist selber schuld.
Vor  gut 15 Jahren bereits nervte mich dieses miese Geflügel , das man allenthalben bekam fürchterlich.
Das war dem ähnlich, was mit den Tomaten geschah : die Tomaten  waren rot ,schmeckten aber nach Leitungswasser.
Die Hähnchen sahen aus wie Hähnchen schmeckten aber mal eher nach Fisch als nach Hähnchen.

Wie beneidete ich die Italiener , Spanier, Franzosen, auf deren Märkten man richtig schönes frisch geschlachetetes Geflügel sah : mitsamt dem Kopf dran mit den Füßen dran denn das sind Erkennungsmerkmale an denen der /die Kundin erkennen kann was für ein Vicherl das war, oder auch wie alt etc.
Und bei uns?  Bei uns gab es nur noch dieses Retorten-Geflügel.

Dann bekam ich einen Rappel!  Als ich das mal in kleiner Runde diskutierte und in den Raum stellte, daß es doch möglich sein muß ein Hähnchen aufzuziehen, das auch so schmeckt und Qualität hat.
Ein Tischnachbar  meinte dann :

Mach doch mal !

Erst war ich etwas verdattert und fragte wie ? Mach doch mal! Darauf sagte mir Dietmar, so hieß der Typ ich hab doch auf meinem Hof einen schönen Hühnerstall, mit Einzäunung davor und mit extra Auslauf  zum scharren und einem Zugang  für die Hühner zum Grünland. Steht leer Bernd  kannst du kostenlos benutzen, schmeißt mir halt auch mal einen Gockel in die Küche!

Jetzt gab es kein zurück mehr!

Ich besorge mir in Kitzingen bei der Bayer.Landesanstalt Abtlg Kleintierzucht kleine Gockerl die zur Fleischzucht prädestiniert sein sollten.

Dann gings zu den Bauern in der Gegend und zum Landhandel um allerlei zu besorgen:

Wie bei den Babys dachte ich mir : von Woche zu Woche ein anderes Futter für die Kleinen, dann Getreide, vor allem Weizen,
2. , 3. Wahl , aber auch Ausputz, der ist billiger und die Vicher haben Beschäftigung bei der Pickerei. Dann brauchts auch Grünzeug.
Aus dem Betrieb wurde ich bestens mit unbrauchbarem Salatausputz etc versorgt.
Daneben gab mir nun jeder in dem kleinen Vorort der Großstadt Ratschläge:
Bernd du mußt viel Brennesseln füttern, Bernd du mußt oft frisches grün am Bach schneiden , Bernd dies, Bernd das.

Am meisten war meine kleine Tochter begeistert : sie wollte  anfangs tagtäglich zu den Pipperli.

Als diese dann jedoch nicht mehr „streichelfähig“ waren und auch nicht aufs Töchterchen hören wollten, ließ die Freude und das Interesse merklich nach.
Papa hatte nun was am Hals, Dank einer vollmundigen Stammtischrede. .

Doch die kleinen wuchsen zusehends, nutzten den Auslauf und waren unermüdlich am fressen so, als würde es morgen nichts mehr geben. Ich hatte auch eine Broschüre bei der Landesanstlt mitbekommen und eine Telefonnummer. Denn nach  X  Wochen sollte ich beginnen die eigentliche Mast zu forcieren, also wurde dort angerufen. Ich erhielt den Rat, den Gökerli wie man bei uns sagt, nun nicht mehr soviel Auslauf geben, denn das hält sie schlank und sie würden zähe asketische  Langstreckenläufer werden.

Aha !

Was dann?
Sie müssen sie nun überwiegend auf engem Raum halten,
damit sie nichts anderes mehr im Sinn haben als zu fressen und das auch behalten und nicht vor dem Haus wieder abtrainieren.

Schnell konnte ich den Erfolg der Mast sehen, Mais, Weizenkleie und dgl sorgten für eine rasche Gewichtszunahme.
So langsam mußte ich mir eine Schlachterei suchen für meine  Mastgockel.
Doch ein Spezl kam mir bevor: als ich von der Arbeit nach Haus kam, passte er mich ab und lotste mich unter  einem Vorwandin seinen Garten.
Dort deutete  er unter breitestem Grinsen  auf einen  kleinen elektr. Dreh-Grill : „eins von deinen Gökerli!“

Er hatte eines aus meinem Stall geholt, geschlachtet, gerupft und gleich in seinen Drehgrill gesteckt. 
Gauner, nichts wie Gauner schmunzelte ich und nahm mir vor doch mal nachzuzählen.

Dann ein zwei Weinschorle später war es soweit, die Stunde der Wahrheit nahte!
Ich kann es nicht mit Worten schildern:
in der Tropfwanne kein Wasserwie sonst immer, kein triefendes, tropfendes  Fett.
Das Hähnchen, nein es war ja zur Poularde gemästet riesig, leicht etwa 16-1800 Gramm schwer  , andere mehr!

Und der Geschmack? unbeschreiblich!

Schnell wurde meine züchterische Qualität zum Dorfgespräch und ich wurde allenthalben darauf angesprochen, vor allem aber mit Bitten behäuft :
Mensch wieviel hast du denn, was über 30, da kannst du mir doch auch 2 geben.
Nein nicht eines, in ihrer „Bescheidenheit“ wollten eigentlich nur flüchtig Bekannte gleich 2 Gökerli,  Mama Mia!
Also kamen sie in Reisekisten und es ging zu einem Schlachtbetrieb in der Nähe.

Kaum zurück, hatte ich Freunde und Bekannte wie nie zuvor.
Und alle wollten nur eines: meine guten Gökerli.

Ich kann also mit Fug und Recht sagen, daß es sehr wohl möglich ist Hähnchen, Poularden und anderes Geflügel so zu halten,
daß es  art und tiergerecht ist aber vor allem auch so, daß es was schmeckt, richtig gut schmeckt!

Und eine solche Quelle habe ich.
Manchmal muß ich etwas warten bis sie soweit sind , dann aber habe ich etwas vorzügliches an Geflügel.
Sucht euch auch so einen Geflügelhof und pfeift auf  Hähnchen aus Massenzucht, dann könnt auch ihr auch  so etwas machen,
wie ich im anschließenden Artikel über :

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