Kräuter „Orgasmen für den Gaumen“

Immer wieder kann ich mich an Geschmackserlebnissen für guten Geschmack unbekannten , ungewohnten Geschmack   erfreuen, denn manches mal kann man schier regelrechte „Orgasmen für den Gaumen“ erfahren.
Ausgelößt durch unseren Geschmacksknospen und das was unbekannte Gewürze , Kräuter bei ihnen auslösen können.
Das bringt einen doch  immer wieder in Erstaunen und ist zumindest für mich immer wieder aufs neue etwas wunderbares. Natürlich findet man das nicht so sehr bei einheimischen Gerichten oder Zubereitungen, da einem da die Geschmacksrichtung  bekannt und geläufig ist und auch selten experimentiert wird, oder hat schon mal jemand einen Schweinbraten mit Zimt Galgant und Sternanis gewürzt ausprobiert?

Diese neue „Geschmackserlebnisse“ erfährt man dann doch eher bei Asiatischen
Indischen oder auch südamerikanischen Gerichten , gewürzt nach deren Geschmack, deren Gewürzen, deren Kräutern.

Und so ist es noch immer eine schöne neue Erfahrung wenn ich mir bisher unbekannte Kräuter  probieren kann, oder auf den Grund gehen möchte nach welchem mir undefinierbaren  dieses Gericht nun schmeckt,  gewürzt wurde .
Das finde ich  ungemein spannend und äußerst interessant stets aufs Neue.

Allerdings will, ja muß ich  da gleich etwas ganz und gar nicht erbauliches ansprechen, denn das wird euch zuallererst dabei in den Kopf schießen:

Asiatische Küche in Deutschland ?

Da sind zum einen die  vielen Chinesischen Restaurants bei uns.                                              Und in allen schmeckt es gleich ( ich sage mutig : gleich schlecht!).                                        Die Chinesische Küche ist so wahnsinnig unterschiedlich hat so viele Facetten, so viel regionale  Unterschiede daß man ernsthaft gar nicht sagen kann : Chinesische Küche.
Das wäre so als würde man sagen europäische Küche, die gibts auch nicht. Wie wollte man Irische Küche und Italienische Küche in einen Topf werfen?
Und ebenso darf und kann man  das m.E. auch bei den großen verschiedenen chinesischen Küchen – Regionen  nicht.
Das wird aber gemacht und das wirft ein schlechtes Licht auf die hiesigen chinesischen Restaurants. Das ist ähnlich wie mit den Pizzerien in Deutschland:
jeder Italiener erschrickt zutiefst, kann gar einen Schock erleiden, wenn er ein Pizzeria in Deutschland aufsucht. Das  was es uns hier an Pizza angeboten wird,  hat nichts,  aber auch gar nichts mit einer in Italien zubereiteten Pizza zu tun. Das wurde so auf unseren Geschmack umgemodelt  daß man erschrickt, wenn man einmal Italien besucht und dort eine Pizza vorgesetzt bekommt.

Gleiches gilt für die Griechischen Lokale hier:  auch so grausam umgemodelt, daß es überall das gleiche gibt ( so als würden sie die Speisekarten voneinander abschreiben) , zum einen überall gleich primitiv „gekocht“ wird und zum anderen  das ganz und gar nichts mehr mit griechischer Küche zu tun hat.

Und leider ist es mit den allermeisten  Chinesischen Restaurants genauso, das hat meist gar nicht mit chinesischer Küche und schon gar nicht mit chinesischer Kochkunst zu tun, denn in der Tat mutiert scheinbar jeder Chinese zum „Koch“ sobald er das eigene Land  gen Europa verläßt! ?

Anders bei vielen indischen, bengalischen, pakistanischen oder besonders malajisch/ indonesischen  Restaurants, dort wird eher noch am Original gekocht.

Erwischt man jedoch ein Lokal das einen guten Koch hat, das mit guten originalen Zutaten kocht, dann, ja dann kann man ungeahnte  Geschmackserlebnisse genießen.

Dazu gehören wie bereits bemerkt natürlich original Kräuter, Gewürze, Gemüse, Zutaten . Und diese gibt es immer mehr hier bei uns, ich spreche nicht von Sojasauce oder Chiliesauce süß-sauer, nein von frischen Kräutern, Gemüsen Früchten usw.  Man glaubt nicht wie einfallsreich die Leute aus diesem Kulturkreis sind wenn es ihnen darum geht gewohntes nach Europa zu bringen, um es  auch hierzulande einkaufen zu können.

So gibt es nicht nur überall Asia Läden, sondern auch Ayurvedischen Läden in denen man auch immer mehr Frischwaren bekommt. Denn Holland ist  DER Versorger in Europa für alles Asiatische, dgl. Ganze Kleinlaster-Convois starten von dort wie in ein Spinnennetz hinein,  um Resteuropa mit fernöstlichen Lebensmitteln zu  versorgen.  Alles was China oder Asialäden brauchen, alles was Restaurants brauchen, vom GasWok  über Restaurantdekoration a la Kanton, von 100 verschiedenen Reissorten über getrocknete Fische,  gefrorene Muscheln,  und frische Kräuter ,  unbekannte Früchte bis zur stinkenden Duranfrucht, oder vorgebratene „chinesische“ Entenbrüste made in Holland.


Tja und so landet auch alles in meinem Lieblings-asialaden ganz in der Nähe.

Und dort läßt  mich die nette Besitzerin nie gehen, wenn ich beim Kräuterkauf  kein Rau ram mitnehme.

aus wiki

Ich kannte es nicht, und wußte zu Hause angekommen auch gar nicht, was ich nun  damit anfangen sollte. Schlimmer noch auf den Kräuterpackungen sind normalerweise Aufkleber mit Namen und  original/ursprungs/ Gattungsnamen.
Nix da , keine Aufschrift….
Da wird es dann schwer sich auszudenken zu welchem Gericht das denn besonders gut passt : zum Schweinsbraten nicht, aber zu was dann ?
Also habe ich  unter Gernot Kratzer  seinem  größten Kräuteralbum der Welt möchte ich mal so sagen gegurgelt und bin fündig geworden.
http://gernot-katzers-spice-pages.com/germ/Pers_odo.html

Rau Ram  wird auch Vietnamesischer Koriander genannt
ist  aber je nach Asiatischem Land  unter einem anderen Namen zu finden und so kann  in einem Rezept der Name auf Laotisch auf Thai, auf Malajsch usw erscheinen:

Phak phai Thai
Phak phaew Laos
Daun Kesum  malayisch
aber auch : Chamäleonblatt, water pepper genannt

Rau ram gehört zu diesen Kräutern, Gewürzen die schon alleine einen fernen, asiatischen unserem Geschmack gegenüber fernöstlichen Zauber verleiht:
Geschmack ist bekanntlich schwer zu beschreiben, doch  pfeffrig, zugleich riecht es  auch stark nach Citrus und Myrthe,  aber auch nach Korinader. Hat aber nichts mit dem viele abstoßenden Seifengeschmack des Korianders gemein.

Rau Ram  ist Hauptgewürz für  die Gruppe der vielen asiatischen  „Laksa“ Gerichte . Laksa würde ich sagen sind eine Art asiatische Eintopfgerichte, können aus den verschiedensten Gemüsen bereitet werden und mit verschiedenstem Fleisch, Fisch, Geflügel zubereitet sein. Eine andere Art der Laksas wird statt mit Brühen mit Kokosmilch zubereitet, auch da ist Rau ram
wieder  Hauptgeschmacksträger. Und zur Laksa Familie gehören  letztendlich auch die Laksa-Currys,  hergestellt auch wieder in Kokosmilch und rau ram.

Als ich dann einmal Rau ram in ein Glas Wasser zur Aufbewahrung stellte, bemerkte ich, daß sich Wurzelchen bildeten.
Ich ging daran und setzte sie aus.
Und siehe da, mein eigener Rau ram ging an und ich habe ihn weiter vermehrt:

erst so im Wasserglas Wurzeln ziehen lassen

dann eingepflanzt und angehen lassen

Er wächst so gut, daß er sich schon jetzt ernten läßt  und daraus werde ich mir  ein             Laksa -Chickencurry in Kokosmilch machen.

Und zwar so:

die Hähnchenbrüste in Würfel von 2,5×2,5 cm Würfel  oder auch Streifen schneiden, salzen und mit gemörserten Szechuan Pfeffer würzen.    Diese  in etwas Reismehl  oder Stärke wenden, dann  in etwas Öl anschmoren und wieder herausnehmen.  In der Pfanne nun etwas  Zwiebel, Frühlingszwiebel andünsten und sodann  2-3 TL grüne Currypaste (es geht auch rote) kurz mitschmoren, dann mit reichlich Kokosmilch aufgießen. Nun kann das angeschmorte Hähnchenfleisch wieder dazu und die Sauce ein wenig reduzieren lassen. Nun kann man  an das würzen gehen:

Variation 1:
In die Kokos-Currysauce etwas Limettenabrieb  und einige Limettenscheiben oder Saft geben  und mit reichlich klein geschnittenen Rau ram Blättern würzen

Variation 2:
Die Kokosmilch mit Bum bu Gewürz­paste ,  oder Hae Ko/ Garnelen Paste
würzen. Auch hier am Ende reichlich klein geschnittenes  Rau ram zugeben.

Variation 3:
1/2 TL Kümmel, Fenchel, Sichuan Pfefferkörner, 1St Sternanis,  3-4 Nelken in einer Pfanne leicht anrösten bis es duftet dann im Mörser zerkleinern oder aber in ein Teeei geben und  in der Kokosmilch beim reduzuieren  zur Geschmacksentfaltung mitkochen lassen. Auch hier am Ende reichlich klein geschnittenes  Rau ram zugeben.

Dazu natürlich Reis  oder gebratene Nudeln. Oft wir in den Laksas auch  noch Gemüse mitgekocht.

Und die gewohnten Bilder vom Kochen ,vom Essen ?                                                Die gibt es dann morgen wenn ich es zubereitet habe.                                                       Heute, das war das gedankliche Vorspiel, denn so bereite ich mich immer vor,  eine neue Creation zuzubereiten.

Das Rau ram Gewürzkraut aus Vietnam war die Inspiration dazu.

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